{"id":1529,"date":"2010-06-22T12:28:12","date_gmt":"2010-06-22T12:28:12","guid":{"rendered":"http:\/\/www.stefanhammel.de\/blog\/?p=1529"},"modified":"2010-06-23T08:47:56","modified_gmt":"2010-06-23T08:47:56","slug":"vorankommen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.stefanhammel.de\/blog\/2010\/06\/22\/1529\/","title":{"rendered":"Vorankommen"},"content":{"rendered":"<p>Diese Geschichte habe ich vor vielen Jahren entwickelt, als ich frustriert war, dass ein Projekt sich nicht voran, sondern, wie es schien, sogar r&#252;ckw&#228;rts entwickelte. Das lag wohl daran, dass ich vor lauter anderen Besch&#228;ftigungen nicht die Zeit und Energie fand, daran konsequent zu arbeiten. Aber je mehr das Projekt vor sich hin stagnierte, desto geringer wurde auch die Motivation, einen neuen Anfang zu machen. Schlie&#223;lich nahm ich mir vor, nur noch wenig an dem Projekt zu arbeiten, und dabei nur eine einzige kleine Regel streng zu beachten&#8230;<\/p>\n<p>Ein Lachs war auf der Reise. Immer stromaufw&#228;rts ging sein Weg. Stromschnelle um Stromschnelle hatte er schon &#252;berwunden, Stein um Stein &#252;bersprungen. Sogar einige Wasserf&#228;lle hatte er mit Kraft und Geschick bew&#228;ltigt. \u201eJetzt ist es nicht mehr lang\u201c, sagte der Lachs schlie&#223;lich zu sich selbst. \u201eIch erinnere mich an diese Stelle noch genau. Auf meinem Hinweg bin ich hier am ersten Abend gleich vorbei gekommen. Ich bin nun gro&#223; und stark geworden. In wenigen Stunden sollte ich am Ziel meiner Reise sein.\u201c Der Lachs vergr&#246;&#223;erte noch einmal seine Anstrengungen. Schnell, noch schneller wollte er vorankommen. Doch die Str&#246;mung wurde immer st&#228;rker. War ihm der Weg flussabw&#228;rts kinderleicht gefallen, so schien der R&#252;ckweg nun die reinste Qual zu sein. Manchmal war er zu m&#252;de, um zu schwimmen, oft fehlte ihm die Konzentration f&#252;r einen gezielten Sprung, mehrmals galt es die Angeln und Reusen der Lachsfischer zu umschwimmen und einmal gar musste er der Tatze eines hungrigen B&#228;ren ausweichen. Immer wieder hielt er jetzt inne, um Kraft zu sch&#246;pfen. Der Fluss aber str&#246;mte unentwegt zum Meer. Am Abend schlie&#223;lich stellte der Lachs fest, dass er nicht vorangekommen, sondern sogar noch zur&#252;ckgetrieben worden war. Traurig und entt&#228;uscht suchte er sich eine gesch&#252;tzte Stelle zwischen zwei Felsbl&#246;cken am Ufer. Er dachte nach. \u201eEs muss m&#246;glich sein, das Ziel zu erreichen. Andere haben es schlie&#223;lich vor mir geschafft. Aber wie?\u201c Da hatte der kluge Fisch eine Idee. \u201eIch will nicht mehr versuchen, m&#246;glichst schnell dort anzukommen, sondern nur noch, &#252;berhaupt voran zu kommen. Alles, was ich also jetzt von mir verlange, ist dies: Ich will jetzt jeden Abend etwas n&#228;her am Ziel sein als morgens, das aber Tag f&#252;r Tag. Irgendwann bin ich am Ziel! Wenn ich nur bis zum Abend jedes Mal ein St&#252;ck vorankomme, so soll die allerkleinste Strecke mir gen&#252;gen \u2013 und sei es nur einen halben Zoll.\u201c Von da an fasste der Lachs neuen Mut. An manchen Tagen kam er kaum voran, doch meistens kam er sehr viel weiter, als er erwartete, und wenn es manchmal nicht so war, erinnerte er sich an seinen Vorsatz und war zufrieden. Nach ein paar Wochen hatte er sein Ziel erreicht, einen See nahe der Quelle, wo jener Fluss entsprang. Der Lachs schaute sich um. Noch hatten nur wenige andere Lachse diesen Ort erreicht. Die meisten versuchten noch, in ganz besonders kurzer Zeit am Ziel zu sein.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Diese Geschichte habe ich vor vielen Jahren entwickelt, als ich frustriert war, dass ein Projekt sich nicht voran, sondern, wie es schien, sogar r&#252;ckw&#228;rts entwickelte. 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