{"id":146,"date":"2007-05-29T01:23:55","date_gmt":"2007-05-28T23:23:55","guid":{"rendered":"http:\/\/www.stefanhammel.de\/blog\/2007\/05\/29\/146\/"},"modified":"2007-06-05T09:30:11","modified_gmt":"2007-06-05T07:30:11","slug":"der-geschichtenerzahler-vi","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.stefanhammel.de\/blog\/2007\/05\/29\/146\/","title":{"rendered":"Der Geschichtenerz&#228;hler (VI)"},"content":{"rendered":"<p> Und Folge sechs&#8230;<\/p>\n<p>Der Geschichtenerz&#228;hler sagte:<\/p>\n<blockquote><p>\u201eEs lebte in unserer Stadt ein bekannter Mann, der sollte einst vor vielen Menschen und gar vor dem K&#246;nig eine Rede halten. Nun sah er sich in der Runde um und fand dort eine solche &#220;bermacht an klugen und gelehrten Menschen, dass er sich gar nicht mehr klug zu sein d&#252;nkte und verga&#223;, wie er sich sonst selbst zu helfen wusste und sich am liebsten in den Erdboden verkrochen h&#228;tte. Doch das war nicht m&#246;glich. Was tat dieser Mann?\u201c<\/p><\/blockquote>\n<p>Mit diesen Worten verstummte der Alte. Verzweifelt fragend<!--more--> blickte er seinen Lehrling an und schwieg. Der junge Mann ergriff das Wort und sprach:<\/p>\n<blockquote><p>\u201eEr verfiel in Schweigen. Er lie&#223; seinen Sch&#252;ler f&#252;r sich reden. Der richtete dem K&#246;nig und jener &#220;bermacht an gelehrten Leuten alles aus, was sein Meister ihnen sagen w&#252;rde, h&#228;tte es ihm nur nicht die Stimme verschlagen. Der Sch&#252;ler sagte: \u201aMein Lehrer l&#228;sst euch um Entschuldigung bitten, dass er die Worte, die ihr zu h&#246;ren w&#252;nscht, nun leider nicht selbst an euch richten kann. Doch l&#228;sst er mich f&#252;r ihn sprechen. Es tut meinem Meister sehr leid.\u2019 Die Leute h&#246;rten den Sch&#252;ler f&#252;r seinen Meister reden. Keiner konnte sagen, ob dieser in Wahrheit die Worte wiedergab, die sein Meister an jene &#220;bermacht hatte richten wollen, doch keiner konnte es auch bestreiten, da jener Meister weder ein Zeichen der Zustimmung noch des Widerspruchs von sich gab.\u201c<\/p><\/blockquote>\n<p>Der Sch&#252;ler hatte seine Rede beendet. Die Menge der Leute blickte ihn und seinen Lehrer verwirrt an. Dann lachten einige, andere klatschten, und es herrschte eine merkw&#252;rdige Spannung im Raum. Der B&#252;rgermeister lie&#223; die n&#228;chsten Redner aufrufen. So verging der Tag mit weiteren Festlichkeiten, und schlie&#223;lich gingen alle auseinander. Der K&#246;nig aber lie&#223; noch an demselben Tag Eilboten in den Palast und in alle St&#228;dte des Landes schicken mit der Nachricht: \u201eMorgen Mittag um zw&#246;lf Uhr wird der K&#246;nig aus gesundheitlichen Gr&#252;nden abdanken und seinen Sohn als Nachfolger einsetzen. Die traditionelle Rede des K&#246;nigs zur &#220;bergabe von Zepter und Krone entf&#228;llt wegen seiner augenblicklichen Erkrankung. Sein Sohn wird f&#252;r ihn sprechen und wahrheitsgem&#228;&#223; alles ausrichten, was sein Vater ganz bestimmt sagen w&#252;rde, wenn er selbst im Stande w&#228;re,  nun noch ein letztes Mal als K&#246;nig des Landes zu sprechen.\u201c Der K&#246;nig wusste wohl: Die Leute am Hof w&#252;rden sehr verwundert sein &#252;ber diese merkw&#252;rdige Botschaft. Doch auch der Herrscher seines Nachbarlandes w&#252;rde nicht wohl entscheiden k&#246;nnen, wer nun am Ende was gesagt, geschweige denn, gemeint h&#228;tte.<\/p>\n<p>Und morgen geht&#8217;s weiter.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Und Folge sechs&#8230; Der Geschichtenerz&#228;hler sagte: \u201eEs lebte in unserer Stadt ein bekannter Mann, der sollte einst vor vielen Menschen und gar vor dem K&#246;nig eine Rede halten. 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