{"id":144,"date":"2007-05-27T01:17:08","date_gmt":"2007-05-26T23:17:08","guid":{"rendered":"http:\/\/www.stefanhammel.de\/blog\/2007\/05\/27\/144\/"},"modified":"2007-06-05T09:32:48","modified_gmt":"2007-06-05T07:32:48","slug":"der-geschichtenerzahler-iv","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.stefanhammel.de\/blog\/2007\/05\/27\/144\/","title":{"rendered":"Der Geschichtenerz&#228;hler (IV)"},"content":{"rendered":"<p>Weiter geht&#8217;s mit Folge vier&#8230;<\/p>\n<p>Von da an erz&#228;hlte ihm sein Lehrmeister t&#228;glich solche halbe oder dreiviertel Geschichten. Einmal erz&#228;hlte er nur den Anfang, ein andermal blo&#223; den Schluss. Manchmal erz&#228;hlte er nur ein St&#252;ck aus der Mitte der Geschichte und einmal gar verfiel er nach zwei einleitenden S&#228;tzen in ein langes Schweigen und sagte schlie&#223;lich nur: \u201eAm Ende musste die K&#246;nigstochter selbst den Drachen t&#246;ten.\u201c<br \/>\nHatte sich der Junge allm&#228;hlich mit diesen Merkw&#252;rdigkeiten abgefunden, so st&#246;rte ihn jetzt, <!--more-->dass ihm der Meister immer mehr die Krankheiten und Gebrechen seines Alters zu klagen begann. Einmal schmerzte ihn die H&#252;fte, ein andermal versagte das Knie, dann wieder bereiteten ihm seine schwachen Augen Kummer, und jedes Mal ben&#246;tigte er seine Hilfe. Zunehmend machte dem Alten auch seine Vergesslichkeit zu schaffen.<br \/>\nImmerhin freute sich der junge Mann, dass sein Lehrer den anderen jetzt auch Geschichten erz&#228;hlte, wenn er zugegen war. Doch sein Ged&#228;chtnis war nicht mehr dasselbe wie fr&#252;her. \u201eWie war noch diese Geschichte?\u201c fragte er. \u201eWie ging das noch?\u201c, \u201eWie hie&#223; der Mann?\u201c oder \u201eWas kam dann?\u201c Nie konnte der junge Mann entspannt einer Geschichte zuh&#246;ren. Denn immer musste er damit rechnen, seinem Meister pl&#246;tzlich aus einer Klemme helfen zu m&#252;ssen. Wenn er ihm Antwort gab, so wie er sich den Fortgang der Geschichte vorstellte, sagte sein Meister oft: \u201eJa, genau!\u201c und fuhr in seiner Erz&#228;hlung fort. Andere Male wurde er &#228;rgerlich: \u201eNein, Unsinn! Jetzt wei&#223; ich wieder, wie sie geht\u201c und erz&#228;hlte die Geschichte anders weiter.<br \/>\nEinmal erlitt der Meister auf dem Marktplatz beim Erz&#228;hlen einen Schw&#228;cheanfall. Er wies auf den jungen Sch&#252;ler und sagte leise: \u201eEr kennt die Geschichte gut. Er kann sie zu Ende erz&#228;hlen.\u201c Dann lie&#223; er sich von zwei M&#228;nnern nach Hause bringen und legte sich ins Bett. Nat&#252;rlich hatte der junge Mann diese Geschichte in seinem ganzen Leben noch nie geh&#246;rt. Doch weil keiner der Zuh&#246;rer sich von der Stelle r&#252;hrte und alle mit gebannten Augen auf ihn schauten, blieb ihm nichts &#252;brig, als die Geschichte zu Ende zu erz&#228;hlen. Zufrieden gingen die Zuh&#246;rer nach Hause, verwundert und erleichtert war er.<br \/>\nIn der kommenden Zeit lag sein Lehrmeister oft im Bett. \u201eIch habe dem oder jenem eine Geschichte versprochen. Doch mir ist heute nicht wohl. Geh bitte hin und erz&#228;hle sie ihm\u201c, sagte er dann. Dem jungen Sch&#252;ler widerstrebte das, doch wagte er nicht zu widersprechen und so ging er hin&#8230;<\/p>\n<p>Und morgen geht&#8217;s weiter&#8230;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Weiter geht&#8217;s mit Folge vier&#8230; Von da an erz&#228;hlte ihm sein Lehrmeister t&#228;glich solche halbe oder dreiviertel Geschichten. Einmal erz&#228;hlte er nur den Anfang, ein andermal blo&#223; den Schluss. 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