{"id":1264,"date":"2009-11-29T13:43:28","date_gmt":"2009-11-29T12:43:28","guid":{"rendered":"http:\/\/www.stefanhammel.de\/blog\/?p=1264"},"modified":"2009-11-29T13:43:28","modified_gmt":"2009-11-29T12:43:28","slug":"der-esel","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.stefanhammel.de\/blog\/2009\/11\/29\/1264\/","title":{"rendered":"Der Esel"},"content":{"rendered":"<p>Zu den Adventssonntagen und Weihnachtsfeiertagen m&#246;chte ich ein paar Geschichten erz&#228;hlen, die vielleicht weniger Bezug zu Beratung haben, daf&#252;r aber zu dieser Jahreszeit und ihrer Bedeutung. Einige Geschichten mit spirituellem Hintergrund und Bezug zu meinem Erstberuf. Es geht sofort los.<\/p>\n<p>Ich alter Esel! Was hab ich da getan? Ich habe Nein gesagt und Ja getan. Wie konnte ich nur? Ich bin ein Esel. Mit fremden Leuten wegzugehen. Leute, die ich nicht mal kannte! Ich meine, schlecht war es nicht. Eigentlich hat es gut getan. Eigentlich sehr sogar. Und ich habe viel dabei gelernt. Ich frage ja nur: Wie komme ich dazu? Ich meine: Erst hab ich nat&#252;rlich auf stur gestellt. Was wollten denn diese beiden verzottelten M&#228;nner von mir? Kamen da an und wollten mich losbinden von meinem Haus. Klar hab ich da protestiert. I-aah! I-aah! I-aah! Da kam auch gleich kam meine Chefin gelaufen und fing an, heftig mit den beiden zu diskutieren, so richtig mit H&#228;nden und F&#252;&#223;en. Was denen denn einfiele, und so. Ich verstehe diese Menschensprache nicht so gut, aber das hab ich verstanden.<br \/>\nDie beiden M&#228;nner waren sehr freundlich und erkl&#228;rten ihr, ich w&#252;rde von jemand gebraucht. Das hab ich auch verstanden. Meine Chefin wurde dann bald ruhiger. Anscheinend kannte sie denjenigen, der mich da brauchte. Bald wurde sie richtig freundlich und bedr&#228;ngte die M&#228;nner, auf Tee und Hirsefladen mit ihr ins Haus zu kommen. Ich glaube, die beiden hatten ziemliche M&#252;he, ihr beizubringen, dass sie mich jetzt gleich br&#228;uchten und sie sich leider nicht aufhalten k&#246;nnten. Schlie&#223;lich gab sie nach.<br \/>\nEigentlich wollte ich mich ja jetzt weiter stur stellen. Da neben mir war ja noch mein Fohlen. Sollte ich das allein lassen? Da w&#228;re ich ja ein Rabenesel! Aber diese beiden Jungs haben einfach das Fohlen mit losgebunden. Unversch&#228;mtheit! Da blieb mir gar nichts anderes &#252;brig, als mitzukommen. Ansonsten machten sie mir einen anst&#228;ndigen Eindruck. Ich gehe ja nicht danach, ob die Menschen sauber und gek&#228;mmt sind. Ich gucke mir an, wie sie miteinander umgehen. Meine Chefin hat mich freundlich get&#228;tschelt und mir gesagt, die bringen mich schon wieder. Haben sie auch gemacht. Aber erst kam noch was ganz anderes. Erst haben sie mich zu ihrem Chef gebracht. Das war der verzotteltste von allen. Aber mit einem unheimlich freundlichen Blick. Er hat erst mal mit mir geredet und mir die N&#252;stern gestreichelt. Hey, ein freundlicher Herr! Vor so einem kann ich Respekt haben. Die anderen M&#228;nner legten dann Kleider auf meinen R&#252;cken, als Sattel sozusagen, auf den ihr Chef sich drauf setzen sollte. Das hat er auch getan. Ich dachte wieder: \u201eNicht ohne meine Tochter!\u201c, und hab die Muskeln bis runter zu den Hufen angespannt. Dann sagte der freundliche Herr zu seinen Freunden, sie sollten meiner Kleinen auch etwas Kleidung auf den R&#252;cken legen. Da hab ich kapiert, dass sie mit auf die Reise geht. Das war o.k.<br \/>\nWie er so auf mir sa&#223; und ihn alle bewunderten, da sp&#252;rte ich: Das gibt&#8217;s nur einmal. Das hier ist etwas Besonderes. Nach und nach kamen immer mehr Leute dazu, eine richtige Menschenmenge. Sie jubelten und schwenkten Zweige durch die Luft, und viele zogen ihre Obergew&#228;nder aus und breiteten sie wie einen Teppich vor mir aus. Eigentlich nat&#252;rlich vor meinem Chef. Dem haben sie auch zugejubelt. \u201eHosianna!\u201c haben sie gerufen. Das ist n&#228;mlich Hebr&#228;isch und hei&#223;t: ,,Hilf uns doch!\u201c Sie nannten ihn \u201eSohn Davids\u201c. David, das war mal ein gro&#223;er K&#246;nig. Auf den sind die Leute in Jerusalem immer noch m&#228;chtig stolz. Der hat auch in Jerusalem gewohnt. Aber David ist schon so lange tot. Es gibt keinen K&#246;nig mehr. Oder sollte es jetzt doch einen geben? Ich dachte immer, die R&#246;mer regieren hier. Aber wie wir auf dieses Tor zugingen, also ich und mein Junges, und dieser freundliche Herr auf meinem R&#252;cken, und diese jubelnde Menge ringsherum \u2013 also, das konnte nur ein K&#246;nig sein. So viel habe ich verstanden, und davon lasse ich mich auch nicht abbringen. Aber die Leute, die meisten von ihnen, haben nichts verstanden. N&#228;mlich sp&#228;ter haben sie \u201eKreuzige!\u201c geschrieen und damit geholfen, ihren K&#246;nig zu verurteilen. Sie haben erst \u201eJa\u201c gerufen und dann \u201eNein\u201c getan. Ich wei&#223;, es ist schwer f&#252;r die Menschen, einen K&#246;nig zu tragen, der nicht mit Gewalt die R&#246;mer vertreibt. Die Menschen sind Gewalt gew&#246;hnt. Sie vertragen keinen, der mit Liebe regiert. So ungew&#246;hnlich es ist: Die Liebe schmerzt sie mehr als die Gewalt.<br \/>\nIch gebe zu, ich bin auch kein Engel. Ich bin ein Esel. Aber ich habe dazugelernt. Ich habe nur am Anfang \u201eNein\u201c gesagt und dann doch \u201eJa\u201c getan. Ich habe doch diesen K&#246;nig mit Stolz getragen. Ich trage ihn immer noch! Ich trage ihn nicht auf meinem R&#252;cken. Ich trage ihn in meinem Herzen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zu den Adventssonntagen und Weihnachtsfeiertagen m&#246;chte ich ein paar Geschichten erz&#228;hlen, die vielleicht weniger Bezug zu Beratung haben, daf&#252;r aber zu dieser Jahreszeit und ihrer Bedeutung. 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