{"id":1247,"date":"2009-10-25T13:45:07","date_gmt":"2009-10-25T12:45:07","guid":{"rendered":"http:\/\/www.stefanhammel.de\/blog\/?p=1247"},"modified":"2009-10-25T13:55:18","modified_gmt":"2009-10-25T12:55:18","slug":"selbsttherapie-bei-schuechternheit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.stefanhammel.de\/blog\/2009\/10\/25\/1247\/","title":{"rendered":"Selbsttherapie bei Sch&#252;chternheit"},"content":{"rendered":"<p>Eugen war mit seiner Frau und seinem siebzehnj&#228;hrigen Sohn Till in Urlaub. Der Junge war ungl&#252;cklich dar&#252;ber, dass er so sch&#252;chtern war, und fragte seinen Vater, wie er etwas dagegen tun k&#246;nne. Eugen sagte: &#8222;Vor einiger Zeit war ich mit unserem Freund Stefan abends unterwegs. Uns st&#246;rte, dass wir uns nicht trauten, mit Frauen, die wir nicht gut kannten, ins Gespr&#228;ch zu kommen. Also vereinbarten wir einen Wettbewerb. Erst durfte ich ihm eine Mutprobe auferlegen, dann er mir, und dann abwechselnd den ganzen Abend so weiter. Durch ein Punktesystem sollte der Gewinner des Abends ermittelt werden. Es gab zwei Punkte f&#252;r jede bew&#228;ltigte Herausforderung, einen f&#252;r jeden ernsthaften L&#246;sungsversuch und null Punkte f&#252;rs Aufgeben. Die einzige Bedingung f&#252;r die L&#246;sung der Aufgaben war, dass unsere Experimente f&#252;r niemanden kr&#228;nkend sein sollten. Die erste Aufgabe bestand darin, der Bedienung im Caf\u00e9 ein Kompliment zu machen, die zweite war es, mit einer Dame von irgendeinem Nachbartisch eine mindestens einmin&#252;tige Konversation zu beginnen. Am Ende gab ich Stefan die Aufgabe, einer ihm unbekannten Frau einen Handkuss zu geben, ohne dass diese sein Vorgehen beanstandet.&#8220; &#8222;Hat er das gemacht?&#8220; &#8222;Er hat zwei Frauen, die uns auf dem B&#252;rgersteig &#252;berholen wollten, angesprochen. Eine von ihnen redete gerade irgendetwas &#252;ber &#8218;Mut&#8216;. &#8218;Apropos Mut&#8216;, sagte er zu ihr, &#8218;wir machen gerade eine Mutprobe. Ist das f&#252;r Sie in Ordnung, wenn ich Ihnen einen Handkuss gebe?&#8216; Die Frau hat gestutzt: &#8218;Wer w&#228;re denn dasnn mutig?&#8216;, antwortete sie. &#8218;Sie und ich&#8216;, sagte Stefan. &#8218;Und danach?&#8216; &#8218;Dann gehen Sie in die eine Richtung weiter, und wir in die andere.&#8216; &#8218;Mehr nicht?&#8216; &#8218;Mehr nicht.&#8216; Und Stefan bekam ihre Hand zum Kuss. Wir haben die beiden sp&#228;ter an dem Abend noch einmal gesehen und haben uns sehr fr&#246;hlich gegr&#252;&#223;t.&#8220; &#8222;Das mache ich auch&#8220;, sagte Till. Das n&#228;chste, was Eugen sah, war, dass Till in dem italienischen Dorf, in dem sie sich gerade befanden, Jeden, aber auch wirklich jeden Passanten, den er traf, mit einem &#252;berschw&#228;nglichen &#8222;Hi!&#8220; begr&#252;&#223;te. Die Leute schauten etwas irritiert, aber einige gr&#252;&#223;ten zur&#252;ck. Dann probierte er dasselbe mit &#8222;Ciao!&#8220;. Er bekam noch mehr Gr&#252;&#223;e und kam, obwohl er kein Italienisch sprach, mit etlichen Dorfbewohnern auf Deutsch, Englisch und Zeichensprache ins Gespr&#228;ch. Einige Zeit sp&#228;ter erw&#228;hnte seine Mutter, sie m&#252;sse in die Apotheke, Tampons kaufen. &#8222;La&#223; mal, ich mach das f&#252;r dich&#8220;, meinte Till. Und er ging in die Apotheke. Die Apothekerin verstand ihn nicht und brachte ihm einen Schnuller. &#8222;Nicht hier&#8220; antwortete Till, sch&#252;ttelte den Kopf und deutete auf den Mund, &#8222;sondern hier&#8220;, und deutete zwischen seine Beine. &#8222;Tampons!&#8220; &#8222;Wie? F&#252;r wen?&#8220; fragte die Apothekerin. &#8222;F&#252;r meine Mutter&#8220;, sagte Till und strahlte.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eugen war mit seiner Frau und seinem siebzehnj&#228;hrigen Sohn Till in Urlaub. 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