{"id":1067,"date":"2009-05-12T17:38:19","date_gmt":"2009-05-12T15:38:19","guid":{"rendered":"http:\/\/www.stefanhammel.de\/blog\/?p=1067"},"modified":"2009-05-12T17:48:21","modified_gmt":"2009-05-12T15:48:21","slug":"wertvolle-beratung-demut","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.stefanhammel.de\/blog\/2009\/05\/12\/1067\/","title":{"rendered":"Wertvolle Beratung: Demut"},"content":{"rendered":"<p>Demut ist ein Begriff, der ganz au&#223;er Gebrauch gekommen ist. Fr&#252;her bedeutete er in etwa: Sich nicht &#252;ber andere stellen, sich nicht in den Vordergrund r&#252;cken, neidlos das Gl&#252;ck anderer betrachten k&#246;nnen, sich als Teil von etwas Gr&#246;&#223;erem sehen, Gott und den Menschen, denen sie geb&#252;hrt, die Ehre geben.<\/p>\n<p>In der Therapie ist dieser Wert von gro&#223;er Bedeutung: Wenn beispielsweise eine Therapie nicht, wie gew&#252;nscht, voran kommt, sind\u00a0Therapeuten leicht in Versuchung, dem Klienten zu erkl&#228;ren, was er falsch mache. Insgeheim bef&#252;rchten sie, sie selbst k&#246;nnten etwas vers&#228;umt oder &#252;bersehen haben &#8211; ausdr&#252;cklich aber erkl&#228;ren sie den Klienten das Geschehen mit irgendeinem Modell der &#8222;Verdr&#228;ngung&#8220;, &#8222;&#220;bertragung&#8220;, &#8222;Projektion&#8220;, &#8222;Introjektion&#8220;, oder als &#8222;Widerstand&#8220;, Hauptsache, mit etwas, was im Verantwortungsbereich des Klienten liegt. M&#246;glich w&#228;re es aber auch, offen mitzuteilen, dass man einen anderen Verlauf vermutet hatte, und mit dem Klienten ins Gespr&#228;ch dar&#252;ber zu kommen, was zu einer Verbesserung beitragen k&#246;nnte. Ist ein Klient &#252;ber irgendein Wort oder Verhalten des Therapeuten gekr&#228;nkt, kommt der Therapeut leicht in Versuchung, ihm vermitteln, das sei Teil der Therapie, und er habe daran etwas zu lernen. M&#246;glich w&#228;re es aber auch, sich beim Klienten h&#246;flich zu entschuldigen, und herauszufinden, wie solche Kr&#228;nkungen zuk&#252;nftig vermieden werden k&#246;nnen.\u00a0\u00a0<\/p>\n<p>&#220;berhaupt ist es m&#246;glich, die Klienten als gleichrangige Gespr&#228;chspartner anzusehen,\u00a0ihre Ziele als ma&#223;geblich f&#252;r die therapeutische Arbeit anzusehen, und ihre Werte als ein Heiligtum, das nicht verletzt werden darf. Dann bedeutet der &#8222;Widerstand&#8220; des Klienten, dass der Therapeut nicht gut genug verstanden und ber&#252;cksichtigt hat, was die Ziele des Klienten sind und welche Wege dorthin f&#252;r ihn akzeptabel sind.<\/p>\n<p>Demut\u00a0bedeutet, dass der Therapeut nicht &#252;ber den Klienten steht, dass er die Klienten als Fac hleute f&#252;r ihr eigenes Leben respektiert, dass er von ihnen lernt, dass er ihre Ziele &#252;ber die seinen stellt und seine Werte nicht gegen ihre ausspielt, also nicht &#8222;f&#252;r sie&#8220; (und dabei wom&#246;glich &#8222;gegen sie&#8220;) wei&#223;, was gut f&#252;r sie ist.<\/p>\n<p>Demut als Wert in der Therapie bedeutet, nicht zu genau zu wissen, was im Leben eines Klienten los ist, was er &#8222;hat&#8220; und braucht. Es kann bedeuten, sich nicht &#252;ber seine Schw&#228;chen zu erheben (und auch nicht &#252;ber die vermeintlichen Schw&#228;chen seiner Eltern, seines Partners, seiner Kollegen, usw.) Demut kann bedeuten,\u00a0allenfalls provisorisch und niemals abschlie&#223;end &#252;ber den Klienten zu urteilen; es kann auch\u00a0bedeuten, ihm keine Prognose f&#252;r sein kommendes Leben zu geben, insbesondere keine von der Art: &#8222;Dieses Problem wird Sie immer begleiten, damit werden Sie leben m&#252;ssen.&#8220;<\/p>\n<p>Demut kann auch bedeuten, die Therapie in den Dienst von etwas Gr&#246;&#223;erem zu stellen, sei es, um Gl&#252;ck unter die Menschen zu bringen, zur Ehre Gottes oder zu sonst einem\u00a0Ziel, das die Grenzen des eigenen Lebens &#252;berschreitet.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Demut ist ein Begriff, der ganz au&#223;er Gebrauch gekommen ist. 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