{"id":102,"date":"2007-05-14T01:50:56","date_gmt":"2007-05-13T23:50:56","guid":{"rendered":"http:\/\/www.stefanhammel.de\/blog\/2007\/05\/14\/102\/"},"modified":"2007-06-05T09:45:21","modified_gmt":"2007-06-05T07:45:21","slug":"wie-finde-ich-eine-passende-geschichte-ii","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.stefanhammel.de\/blog\/2007\/05\/14\/102\/","title":{"rendered":"Wie finde ich eine passende Geschichte II"},"content":{"rendered":"<p>Noch eine E-mail, die mich besch&#228;ftigt hat. Letzte Woche hat mir eine Kollegin geschrieben:<\/p>\n<blockquote><p>K&#246;nnten Sie mir vielleicht mit einer Geschichte pers&#246;nlich auf die Spr&#252;nge helfen, meine Scheu zu &#252;berwinden, Geschichten in die Therapie mit einzubauen? Als meine Tochter klein war, hat sie mir drei Dinge genannt, aus denen ich dann ad hoc (im Erz&#228;hlen) Geschichten erfand: langweilige, interessante, lustige, traurige&#8230;  Als Therapeutin habe ich da irgendwie eine Blockade.<\/p><\/blockquote>\n<p>Woran h&#228;ngt&#8217;s? Ich glaube ja, wir erz&#228;hlen den ganzen Tag Geschichten, langweilige, interessante, lustige, traurige, und wir merken es gar nicht. <!--more-->Und wenn wir pl&#246;tzlich sollen, versiegt die Quelle, die sonst munter sprudelt. Das ist, wie wenn man aufgefordert wird, einen Schluckauf aktiv am Laufen zu halten, und er bleibt weg. Was kann man da tun. Ich hab also geantwortet:<br \/>\nAls wir Kinder waren, sind meine Eltern mit uns zu den Verwandten nach Amerika gefahren. Meine Schwester wollte richtiges Englisch reden und hat daraum geschwiegen. Ich wollte mich nur verst&#228;ndigen und habe darum geredet &#8211; radebrechenes Englisch voller Fehler. Meine Verwandten waren beeindruckt, meine Eltern waren stolz auf mich, und ich glaube, meine Schwester war neidisch auf mich. Aber so habe ich gelernt, fl&#252;ssig Englisch zu sprechen.<\/p>\n<p>Entscheiden Sie sich, schlecht zu erz&#228;hlen! (Note 4 oder so.)<\/p>\n<p>Manchmal fragen Leute meine Mutter, wie sie es hinkriegt, immer so sch&#246;ne, sympathische, unterhaltsame Briefe zu schreiben. Sie sagt: &#8222;Ich schreibe, wie ich spreche.&#8220;<\/p>\n<p>Entscheiden Sie sich, literarisch schlechte, aber therapeutisch brauchbare Geschichten zu erz&#228;hlen. Erz&#228;hlen Sie sie so, wie Sie Ihrer Freundin ein Auflaufrezept oder das Ergebnis vom letzten Kleiderkauf erz&#228;hlen.<\/p>\n<p>Einst wurde der Meister gefragt: \u201eWas machst du, wenn dir die Gleichnisse ausgehen?\u201c Der Meister antwortete: \u201eDann erz&#228;hle ich ein Gleichnis &#252;ber einen, dem die Gleichnisse ausgegangen waren.\u201c Da baten ihn die Sch&#252;ler: \u201eErz&#228;hle uns doch dies Gleichnis!\u201c Und der Meister sprach: \u201eNoch nicht. Denn so lange ich dieses habe, sind mir noch nicht alle Gleichnisse ausgegangen.\u201c (<a href=\"http:\/\/www.stefanhammel.de\/das-buch.html\" title=\"Buchinfo zu Der Grashalm in der W&#252;ste\" target=\"_blank\">Der Grashalm in der W&#252;ste<\/a>, S. 50)<\/p>\n<p>Nutzen Sie alles f&#252;r eine Geschichte.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Noch eine E-mail, die mich besch&#228;ftigt hat. 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