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	<title>HYPS &#187; Erwachsen werden</title>
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	<description>Hypno-Systemischer Blog von Stefan Hammel</description>
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		<title>Der Eimer ist leer</title>
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		<pubDate>Tue, 11 Oct 2011 14:03:33 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Stefan Hammel</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Der Eimer ist leer! Der Eimer muss neu bef&#252;llt werden! Das ist seltsam. Ich k&#246;nnte schw&#246;ren, wir h&#228;tten gestern noch Wasser nachgef&#252;llt.  Es muss an der nat&#252;rlichen Verdunstung liegen, dass &#252;ber Nacht so viel von dem kostbaren Nass verloren gegangen ist. Woran sonst k&#246;nnte es liegen? &#8220;Die Banken sind leer! Sie m&#252;ssen dringend rekapitalisiert werden!&#8221; [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Der Eimer ist leer! Der Eimer muss neu bef&#252;llt werden! Das ist seltsam. Ich k&#246;nnte schw&#246;ren, wir h&#228;tten gestern noch Wasser nachgef&#252;llt.  Es muss an der nat&#252;rlichen Verdunstung liegen, dass &#252;ber Nacht so viel von dem kostbaren Nass verloren gegangen ist. Woran sonst k&#246;nnte es liegen?</p>
<p>&#8220;Die Banken sind leer! Sie m&#252;ssen dringend rekapitalisiert werden!&#8221; So hat jetzt der scheidende EZB-Pr&#228;sident Trichet in einem dramatischen Appell ausgerufen. Das mag sein, dass die Eimer und T&#246;pfe dort Niedrigwasser f&#252;hren. Es mag auch sein, dass sie bef&#252;llt werden m&#252;ssen. Aber haben die Regierungen Amerikas und Europas nicht gerade vor 3 Jahren mit riesigen B&#252;rgschaften und Krediten die Banken bef&#252;llt? Von 500 Milliarden Euro war damals die Rede, mit denen die Bundesregierung die Banken damals gest&#252;tzt hat. Eine halbe Billion. W&#228;re es am Ende m&#246;glich, dass wir einen Eimer bef&#252;llen, der l&#246;chrig ist? W&#228;re es m&#246;glich, dass aus Bankeigentum unter der Hand im Laufe weniger Jahre Privateigentum wird? Wenn die Banken so schnell arm geworden sind, m&#252;sste es doch jemanden geben, der an den armen Banken reich wird? Kann es sein, dass ein Staat Banken unterst&#252;tzt, ohne Prozesse zu unterbinden, die dazu f&#252;hren, dass deren Kapital unter der Hand privatisiert wird oder auf andere Art gebunden wird und f&#252;r die Bank keine Sicherheit mehr darstellt?</p>
<p>Das ist ein bisschen so, als ob ich einem &#252;berschuldeten Menschen in therapeutischer Absicht seine Rechnungen bezahlte, und &#252;bersehe, dass er das Verhalten, das zu seinem finanziellen Ruin gef&#252;hrt hat, weiter f&#252;hrt. Und, nachdem ich bemerkt habe, dass er wieder in Geldn&#246;ten ist, seine n&#228;chsten Rechnungen ebenso bezahle. Wie lange kann ich einen solchen Menschen st&#252;tzen und mich weiterhin professionell nennen? Und nat&#252;rlich auch: Wie lange kann ich mir das selbst leisten? Es ist auch ein bisschen so, als ob man eine Alkoholtherapie mit einem Klienten macht, w&#228;hrend dieser zwischen den Therapiepausen weitertrinkt. Oder eine Paartherapie mit einem Paar, w&#228;hrend ein Partner fortgesetzt fremdgeht. Oder eine Therapie mit einem Gewaltt&#228;ter, der stetig weiter Gewalt ver&#252;bt. Und der Therapeut therapiert weiter in dem Gedanken: Ich muss dem Menschen doch helfen. Ich kann doch nicht tatenlos zusehen&#8230;</p>
<p>Wenn man als Therapeut Energie in ein System investiert, dem stetig Energie entzogen wird, ohne die Quelle des Energieverlusts zu stopfen, dann  ist das unprofessionell. Ich m&#246;chte so nicht arbeiten.</p>
<p>Ich frage mich: Wie lange kann man ein System stabilisieren, das sich selbst unabl&#228;ssig destabilisiert &#8211; ohne das System so zu ver&#228;ndern, dass die Unterst&#252;tzung nicht alle paar Jahre wiederholt werden muss? Und wer profitiert im Zeitraum bis zum n&#228;chsten Zusammenbruch von der Unterst&#252;tzung?</p>
<p>&nbsp;</p>
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		<title>Occupy Wall Street, oder: Aufkl&#228;rung heute</title>
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		<pubDate>Mon, 10 Oct 2011 22:58:03 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Stefan Hammel</dc:creator>
				<category><![CDATA[Angst und Zwang]]></category>
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		<description><![CDATA[&#8220;Der Grund, warum wir hier sind, ist, weil wir genug haben von der Welt, &#8230; in der 1 % an die verhungernden Kinder geht. Das reicht, um uns ein gutes Gef&#252;hl zu geben. Nachdem wir die Arbeit und die Folter outgesourct haben. Und die Partneragenturen outsourcen unser Liebesleben t&#228;glich. Wir erkennen, dass wir f&#252;r eine [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>&#8220;Der Grund, warum wir hier sind, ist, weil wir genug haben von der Welt, &#8230; in der 1 % an die verhungernden Kinder geht. Das reicht, um uns ein gutes Gef&#252;hl zu geben. Nachdem wir die Arbeit und die Folter outgesourct haben. Und die Partneragenturen outsourcen unser Liebesleben t&#228;glich. Wir erkennen, dass wir f&#252;r eine lange Zeit unser politisches Engagement outgesourced haben. Wir wollen es zur&#252;ck.&#8221;</p>
<p>Das hat am Wochenende der Philosoph und Psychoanalytiker Slavoj Zizek in einer <a href="http://occupywallst.org/">Rede in Wall Street </a>ge&#228;u&#223;ert. Sehr bemerkenswert an dieser Occupy-Wall-Street-Bewegung scheint mir, dass diese Leute die Ursache der &#246;konomischen Misere vieler Amerikaner und vieler Menschen in anderen L&#228;ndern nicht ausschlie&#223;lich in einem Fehlverhalten von Politikern und Spekulanten sehen. Sie sehen die Ursache in einem System, von dem sie selbst ein Teil sind. Sie wollen dieses System ver&#228;ndern und dabei offenbar bei sich selbst anfangen.</p>
<p>Wer auf die <a href="http://occupywallst.org/">Website von Occupy Wall Street </a>schaut, findet dort auch deren Veranstaltungskalender. Am Wochenende gab es neben der Vorlesung des Philosophen und Kulturkritikers Zizek dort eine Vorlesung eines Philosophieprophessors aus der Schweiz &#252;ber &#8220;das Ende des Finanzdenkens und die transformation der globalen Klassenstruktur&#8221;. Gestern gab es eine Gedenkveranstaltung zum Genozid an den Eingeborenen Amerikas, eine &#8220;Einf&#252;hrung in Basisdemokratie&#8221;, heute vermittelt eine Professorin &#8220;Grundlagen des Aktienmarktes&#8221;, danach gibt es einen Vortrag &#8220;Warum soziale Ungleichheit die Wirtschaft destabilisiert (und was wir dagegen tun k&#246;nnen)&#8221;.</p>
<p>Es ist bemerkenswert, dass diese Leute sich selbst als Teil des Systems, das sie unterdr&#252;ckt hat, wahrnehmen und daran arbeiten, sich ihre politische M&#252;ndigkeit von diesem Standpunkt aus aktiv zur&#252;ckerobern.</p>
<p>Das erinnert an die Gedanken, die Immanuel Kant vor langer Zeit ge&#228;u&#223;ert hat:</p>
<blockquote><p>Aufkl&#228;rung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unm&#252;ndigkeit. Unm&#252;ndigkeit ist das Unverm&#246;gen, sich seines Verstandes ohne Leitung eines anderen zu bedienen. Selbstverschuldet ist diese Unm&#252;ndigkeit, wenn die Ursache derselben nicht am Mangel des Verstandes, sondern der Entschlie&#223;ung und des Mutes liegt, sich seiner ohne Leitung eines andern zu bedienen. Sapere aude! Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen! ist also der Wahlspruch der Aufkl&#228;rung.</p>
<p>Faulheit und Feigheit sind die Ursachen, warum ein so gro&#223;er Teil der Menschen, nachdem sie die Natur l&#228;ngst von fremder Leitung freigesprochen &#8230;, dennoch gerne zeitlebens unm&#252;ndig bleiben; und warum es anderen so leicht wird, sich zu deren Vorm&#252;ndern aufzuwerfen. Es ist so bequem, unm&#252;ndig zu sein. Habe ich ein Buch, das f&#252;r mich Verstand hat, einen Seelsorger, der f&#252;r mich Gewissen hat, einen Arzt, der f&#252;r mich die Di&#228;t beurteilt usw., so brauche ich mich ja nicht selbst zu bem&#252;hen. Ich habe nicht n&#246;tig zu denken, wenn ich nur bezahlen kann; andere werden das verdrie&#223;liche Gesch&#228;ft schon f&#252;r mich &#252;bernehmen.</p></blockquote>
<p>In der Medizin und Psychotherapie w&#252;nschen viele Patienten und Klienten weiterhin, dass der Fachmann oder die Fachfrau f&#252;r sie wissen m&#246;ge, was richtig ist. Ich werde nicht m&#252;de, meinen Klienten zu sagen: &#8220;Sie sind die K&#246;nigin! Sie sind der K&#246;nig. Die &#196;rzte und Berater und aucIhrychotherapeut &#8211; wir sind nur Ihre Minister.&#8221; Manchmalf&#252;ge ich noch hinzu: &#8220;Wir haben spezielle Erfahrung, die Ihre Erfahrung wertvoll erg&#228;nzt. Aber wir machen nur Vorschl&#228;ge, und Sie entscheiden, was Sie annehmen und was Sie verwerfen. Sie k&#246;nnen mich jederzeit entlassen.&#8221; Ich habe den Eindruck, manche Klienten verwundert das, und viele wollen das auch gar nicht. Sie wollen, dass ich f&#252;r sie entscheide, was gut ist.</p>
<p>Zum Gl&#252;ck scheint die Zahl derer mehr zu werden, die nicht behandelt werden m&#246;chte, sondern beraten. Und die dann selbst entscheiden, was sie w&#228;hlen und was sie verwerfen. Indessen &#8211; sicher bin ich mir dar&#252;ber nicht. Ich wei&#223; nur, dass ich es mir w&#252;nsche.</p>
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		<title>Der laute Junge</title>
		<link>http://www.stefanhammel.de/blog/2011/07/06/1778/</link>
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		<pubDate>Wed, 06 Jul 2011 17:46:09 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Stefan Hammel</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Es kam einmal ein Junge und erz&#228;hlte mir: „Meine Eltern h&#246;ren mir nie zu. Sie bemerken mich nicht einmal.“ „Er redet st&#228;ndig und ununterbrochen. Er redet oft und viel. Er unterbricht andere im Gespr&#228;ch und will selbst nie unterbrochen werden“, erz&#228;hlten die Eltern. „Je lauter ich war, desto weniger haben sie zugeh&#246;rt“, sagte der Junge [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Es kam einmal ein Junge und erz&#228;hlte mir:</p>
<p>„Meine Eltern h&#246;ren mir nie zu. Sie bemerken mich nicht einmal.“</p>
<p>„Er redet st&#228;ndig und ununterbrochen. Er redet oft und viel. Er unterbricht andere im Gespr&#228;ch und will selbst nie unterbrochen werden“, erz&#228;hlten die Eltern.</p>
<p>„Je lauter ich war, desto weniger haben sie zugeh&#246;rt“, sagte der Junge sp&#228;ter. „Und je weniger sie zuh&#246;rten, desto lauter wurde ich.“ Dann wurde er leise und seine Eltern h&#246;rten ihm zu.</p>
<p>Die Wirkung der Sichtweisen und V erhaltensweisen innerhalb einer Familie verst&#228;rkt und erh&#228;lt sich oft kreisf&#246;rmig. In der Familientherapie spricht man von &#8220;zirk&#252;l&#228;rer Kausalit&#228;t&#8221; und &#252;berlegt, wie eine &#8220;Musterunterbrechung&#8221; in der Interaktion der Familie aussehen kann. Was k&#246;nnte ein Therapeut dazu beitragen, dass entweder der Junge oder seine Eltern oder beide sich f&#252;r eine kleine Weile derart anders verhalten, dass die jeweils andere Partei nicht mehr gleich wie bisher reagieren kann&#8230; so dass am Ende keiner mehr das Verhalten des anderen wie bisher deuten kann und keiner mehr wie bisher reagiert&#8230; weil jeder findet, der andere habe angefangen, mit seinem unguten Verhalten aufzuh&#246;ren&#8230;?</p>
<p>Quelle:<a title="Der Grashalm in der W&#252;ste" href="http://www.stefanhammel.de/das-halmbuch.html" target="_blank"> Der Grashalm in der W&#252;ste</a>, S.126, Stefan Hammel</p>
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		<title>Der Osterhasenengel</title>
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		<pubDate>Thu, 30 Jun 2011 08:32:11 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Stefan Hammel</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Wie gelingt uns der Umgang mit Verlusten? Was ist Trost? Was ist Vertr&#246;stung? Wie k&#246;nnen wir Kindern helfen, Verlorenes auch innerlich loszulassen, und wie uns selbst? Auf der Suche nach Antworten f&#228;llt mir diese Geschichte ein&#8230; Zu Ostern hatten uns die Gro&#223;eltern zwei gasgef&#252;llte Ballons gekauft, in Form von Hasenk&#246;pfen mit langen Ohren. Es waren [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Wie gelingt uns der Umgang mit Verlusten? Was ist Trost? Was ist Vertr&#246;stung? Wie k&#246;nnen wir Kindern helfen, Verlorenes auch innerlich loszulassen, und wie uns selbst? Auf der Suche nach Antworten f&#228;llt mir diese Geschichte ein&#8230;</p>
<p>Zu Ostern hatten uns die Gro&#223;eltern zwei gasgef&#252;llte Ballons gekauft, in Form von Hasenk&#246;pfen mit langen Ohren. Es waren Gesichter darauf gedruckt; Jeder Hase hatte zwei lange Knabberz&#228;hne und frech blinzelnde Augen. Ich war drei Jahre alt und hatte noch nie so einen Ballon gehabt. Meine Schwester hatte mehr Erfahrung, sie war schon f&#252;nf. „Pass auf, dass du deinen Hasen nicht losl&#228;sst. Sonst fliegt er fort! Wir machen die Schlinge von dem Faden um dein Handgelenk. Halte ihn gut fest!“ Ich ballte eine Faust, w&#228;hrend sie mir die Schlinge &#252;ber die Hand streifte. Ihr Hase war gr&#252;n und meiner war blau. Wir standen mit meinem Gro&#223;vater vor seinem Haus und bewunderten die bunten Hasen, die an unseren Armen in der Luft tanzten. Ich muss eine falsche Bewegung gemacht haben: Pl&#246;tzlich schob sich die Schlinge &#252;ber mein Handgelenk, vorbei an der Hand, an den Fingern – zuerst war der Hase noch dicht &#252;ber uns und fast noch erreichbar, dann stieg er h&#246;her und h&#246;her. Mir wurde klar, dass niemand auf der Welt diesen Hasen zur&#252;ckbringen konnte. Ich konnte ihn sehen, wie er kleiner und kleiner wurde, aber ich w&#252;rde ihn niemals wieder bekommen. Mir kamen die Tr&#228;nen. „Schau mal, wie sch&#246;n er aussieht da oben“, sagte mein Gro&#223;vater. Das &#252;berzeugte mich nicht so ganz. „Der Luftballon geht auf eine Reise“, sagte meine Schwester. „Er fliegt in den Himmel.“ Wir stellten uns vor, dass er dort Gott treffen w&#252;rde und die Engel. Wie es wohl w&#228;re, mit ihm zu reisen? Was er von da oben wohl sah? Ganz klein wurde der Hase, bis wir ihn kaum noch sehen konnten. Einen Augenblick verlor ich ihn aus den Augen, dann sah ich ihn wieder, und dann war er weg. Ich konnte ihn nicht mehr finden. Wahrscheinlich war er schon im Himmel. Vielleicht als Osterhasenengel. Noch etwas traurig ging ich mit den anderen ins Haus. „Stefans Luftballon ist zu den Engeln in den Himmel gekommen“, verk&#252;ndete meine Schwester dort der Gro&#223;mutter. „Ja, wirklich? Das ist ja interessant! Erz&#228;hlt doch mal!“</p>
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		<title>Trichotillomanie I</title>
		<link>http://www.stefanhammel.de/blog/2011/02/06/1669/</link>
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		<pubDate>Sun, 06 Feb 2011 22:03:23 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Stefan Hammel</dc:creator>
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		<description><![CDATA[In letzter Zeit hatte ich in Mainz ein M&#228;dchen in Therapie, die sich regelm&#228;&#223;ig alle Augenbrauen- und Lidhaare ausgezupft hat. Trichotillomanie nennt an diese St&#246;rung, allerdings nehmen die meisten Betroffenen daf&#252;r Kopfhaare. Nachdem ich mich nach den Hintergr&#252;nden erkundigt hatte, keine ausl&#246;senden Ereignisse oder chronischen Belastungen finden konnte und erfahren hatte, dass sie sich ausschlie&#223;lich [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>In letzter Zeit hatte ich in Mainz ein M&#228;dchen in Therapie, die sich regelm&#228;&#223;ig alle Augenbrauen- und Lidhaare ausgezupft hat. Trichotillomanie nennt an diese St&#246;rung, allerdings nehmen die meisten Betroffenen daf&#252;r Kopfhaare.</p>
<p>Nachdem ich mich nach den Hintergr&#252;nden erkundigt hatte, keine ausl&#246;senden Ereignisse oder chronischen Belastungen finden konnte und erfahren hatte, dass sie sich ausschlie&#223;lich am Badezimmerspiegel zupft, sagte ich ihr und den Eltern, , es gebe mehrere m&#246;gliche Therapieans&#228;tze. Meine bevorzugte Herangehensweise sei die: Sie m&#252;ssten f&#252;r etwa zwei Wochen den Badspiegel und vorsichtshalber auch alle anderen Spiegel im Haus entfernen. Dem M&#228;dchen gefiel das gar nicht, und auch die Eltern schienen zu z&#246;gern. So sagte ich, es gebe noch eine zweite M&#246;glichkeit. Ich bat das M&#228;dchen, sich bis zur n&#228;chsten Woche entweder nur noch die Lidhaare auszuzupfen und die Augenbrauenhaare daf&#252;r konsequent wachsen zu lassen oder umgekehrt oder nur die linke Seite auszuzupfen und daf&#252;r die rechte wachsen zu lassen oder umgekehrt. Sie sollte bitte das Zupfen auf der erlaubten Seite noch intensivieren, daf&#252;r aber auf der anderen Seite genauso konsequent unterlassen. Wann immer sie versehentlich im verbotenen Bereich zupfe, m&#252;sse sie zum Ausgleich doppelt so viel im erlaubten Bereich zupfen. Das M&#228;dchen entschied sich daf&#252;r, die rechten Augenbrauen und Wimpern weiter kr&#228;ftig auszuzupfen und die linken daf&#252;r wachsen zu lassen. Au&#223;erdem schlug ich ihr vor, <span id="more-1669"></span>sich eine Glaskugel vorzustellen, die ihren Kopf umgibt, sie k&#246;nne entscheiden, ob diese Kugel einen Durchmesser von einem halben oder einem ganzen Meter habe oder ob sie eine andere Gr&#246;&#223;e habe. Wann immer ihre Hand die unsichtbare Kugelwand durchdringt, solle sie sich ein Alarmsignal vorstellen, das ihr die Entscheidung erm&#246;gliche, die Hand nochmals zur&#252;ckzuziehen. Wenn sie aber weiterhin zupfe, solle sie sich ganz auf die rechte Seite konzentrieren. Eine Weile &#252;bten wir, den Signalton m&#246;glichst genau in ihrer Vorstellung zu h&#246;ren.</p>
<p>Nach einer Woche schickte sie mir eine E-mail und teilte mir mit, das einseitige Zupfen funktioniere gut, die Sache mit der Glaskugel aber gar nicht. Was sie tun k&#246;nne, um dies zu verbessern? Ich schrieb zur&#252;ck, sie k&#246;nne einen Papierstreifen &#252;ber den Spiegel kleben, genau auf ihrer Augenh&#246;he. Nach Wochen kam sie wieder in Therapie und hatte konsequent die eine Seite gezupft und die andere wachsen lassen. Ich gab ihr wieder mehrere M&#246;glichkeiten zur Auswahl, was sie als n&#228;chstes &#252;ben k&#246;nne. Sie k&#246;nne sich zum Beispiel die Armhaare zupfen oder probieren, sich Z&#228;hne zu ziehen. Oder sie k&#246;nne sich die Brauen wachsen lassen und eine Wimpernseiten auzupfen oder auch umgekehrt die Wimpern wachsen lassen und die Haare der einen Braue entfernen. Sie entschied sich schlie&#223;lich daf&#252;r, diesmal genau die andere Seite auszuzupfen und daf&#252;r diejenige wachsen zu lassen, an der sie vorher gezupft hatte.</p>
<p>Nach weiteren zwei Wochen kam sie wieder und berichtete, sie habe noch an zwei Tagen der Woche etwas an den Haaren gezupft, ansonsten aber beide Seiten wachsen lassen. Ich erkl&#228;rte etwas irritiert, dies entspreche nicht ihrer Vereinbarung, und ich h&#228;tte eigentlich erwartet, dass sie sich an unsere Absprache halte. Da sie nun aber das Programm von sich aus ge&#228;ndert habe, sei zu &#252;berlegen, wie wir jetzt fortfahren k&#246;nnten. Von mehreren M&#246;glichkeiten w&#228;hlte sie die, an einem statt an zwei Tagen der Woche zu zupfen und dies nur zu den ungeraden Stunden zu tun (also in den sechzig Minuten ab 7, 9 11, 13 Uhr und so weiter). Da aber d&#252;rfe sie an dem betreffenden Tag nach Herzenslust zupfen. Ich erkl&#228;rte, ich sei etwas entt&#228;uscht, da ich gehofft h&#228;tte, an ihr gutes Geld zu verdienen und sie zu schnelle Fortschritte mache. Ich entlie&#223; sie nach einer halben Stunde (und einem halbierten Honorar f&#252;r mich) und schlug ihr vor, sich Zeit zu lassen&#8230;</p>
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		<title>Der Grashalm in der W&#252;ste</title>
		<link>http://www.stefanhammel.de/blog/2010/11/12/1610/</link>
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		<pubDate>Fri, 12 Nov 2010 15:30:10 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Stefan Hammel</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Gestern war ich in der Kinderpsychiatrie und habe den Kindern eine Geschichte erz&#228;hlt. Wir vergessen so oft, dass Menschen, die sich selbst und anderen M&#252;he bereiten, nicht nur aus ihren Problemen bestehen, sondern auch aus dem, was heil ist.Und wenn wir das Gesunde, Kraftvolle, Gl&#252;ckspendende im Leben der Kinder oder auch von uns selber pflegen, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Gestern war ich in der Kinderpsychiatrie und habe den Kindern eine Geschichte erz&#228;hlt. Wir vergessen so oft, dass Menschen, die sich selbst und anderen M&#252;he bereiten, nicht nur aus ihren Problemen bestehen, sondern auch aus dem, was heil ist.Und wenn wir das Gesunde, Kraftvolle, Gl&#252;ckspendende im Leben der Kinder oder auch von uns selber pflegen, k&#246;nnte es sein, dass wir mehr erreichen, als wenn wir immer mehr Zeit auf die Behandlung des St&#246;renden verwenden. Nat&#252;rlich muss man zuweilen bei dem, was st&#246;rt, ankn&#252;pfen. Wenn man allerdings bei der Behandlung der St&#246;rung h&#228;ngen bleibt, ist man wahrscheinlich schon selbst ein Teil der St&#246;rung geworden. Denn wer sagt uns, dass die Reaktionen der Menschen auf das Problem nicht zu dem Problem ma&#223;geblich beitragen? Vielleicht kommen wir schneller zum Ziel, wenn wir das Unauff&#228;llige, Gesunde, Normale in den Vordergrund unserer Betrachtung stellen. Ich habe jedenfalls den Kindern die folgende Geschichte erz&#228;hlt.</p>
<p>Ein Mann durchquerte eine W&#252;ste. Rings um ihn her gab es nur Sand, Steine und Felsen, den leuchtend blauen Himmel und &#252;ber ihm die gl&#252;hend hei&#223;e Sonne. Auf der H&#228;lfte seines Weges geschah es, dass er Rast machen wollte und sich nach einem geeigneten Platz umsah.<span id="more-1610"></span> Etwas abseits des Weges fand er einen &#252;berh&#228;ngenden Felsen, der ihm Schatten bieten konnte f&#252;r die Zeit seiner Rast. Der Mann ging dorthin. Als er ankam, sah er etwas Ungew&#246;hnliches: Im Schatten dieses Felsens wuchs tats&#228;chlich ein Grashalm. „Nanu, wo kommst du denn her?“ fragte der Mann, und dann lachte er &#252;ber sich selbst: „In meiner Einsamkeit rede ich schon mit dem Gras. Es wird besser sein, ich untersuche einmal, wo der Grashalm herkommt.“ Er scharrte das Pfl&#228;nzchen aus dem Sand und legte es behutsam zur Seite. Dann grub er tiefer und tiefer. Auch wenn er nicht gerade auf eine sprudelnde Quelle traf, so war die Erde hier tats&#228;chlich etwas feucht. Als der Mann sich wieder auf den Weg machte, verga&#223; er nicht, den Grashalm wieder auf die feuchte Erde zu setzen. Mit ein paar Steinen baute er eine kleine Mauer davor, um die Pflanze vor dem Austrocknen durch den hei&#223;en W&#252;stenwind zu sch&#252;tzen. Dann setzte er seine Reise fort. Auf seinem R&#252;ckweg kam er wieder an der Stelle vorbei. Nat&#252;rlich schaute er nach, ob sein Pfl&#228;nzchen noch lebte. Er war sehr erfreut: Aus dem Grashalm war ein richtiges kleines Grasb&#252;schel geworden. Der Mann grub noch etwas tiefer in die Erde und drang in noch feuchteres Erdreich vor. Mit einem Tuch, zwei Pf&#228;hlen und ein paar Schn&#252;ren, die er f&#252;r die R&#252;ckreise mitgenommen hatte, verbesserte er den Windschutz f&#252;r seine Pflanze. Viele Jahre sp&#228;ter musste ein Freund dieses Mannes dieselbe W&#252;ste durchqueren. Da bat er den Freund: „Schau’ doch einmal nach, was aus meiner Pflanze geworden ist – ob sie noch da ist!“ Der Freund versprach es ihm. Als er von der Reise zur&#252;ckkehrte, berichtete er: „Aus deinem Grasb&#252;schel ist ein kleines St&#252;ck Wiese geworden. Andere Reisende haben die Stelle entdeckt. Sie haben die Mauer vergr&#246;&#223;ert und noch mehr Pf&#228;hle mit T&#252;chern dort aufgestellt. Jemand hat dort einen Brunnen gegraben und mit einem St&#252;ck Leder abgedeckt. Neben dem Brunnen w&#228;chst ein sch&#246;ner Feigenbaum. In seinen Bl&#228;ttern zirpte eine Grille.</p>
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		<title>Das Monster vom Kartoffelkeller</title>
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		<pubDate>Wed, 15 Sep 2010 17:17:53 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Stefan Hammel</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Wie vielleicht schon zu bemerken war, bin ich aus dem Urlaub zur&#252;ckgekehrt. Die Zeit in Kambodscha war eindrucksvoll und w&#228;re es wert, in vielen Geschichten erz&#228;hlt zu werden. In der Zeit habe ich aber auch eine Mail bekommen von einer Blog-Leserin mit einer Geschichte, die gut in diesen Blog passt und die ich mit Erlaubnis [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Wie vielleicht schon zu bemerken war, bin ich aus dem Urlaub zur&#252;ckgekehrt. Die Zeit in Kambodscha war eindrucksvoll und w&#228;re es wert, in vielen Geschichten erz&#228;hlt zu werden. In der Zeit habe ich aber auch eine Mail bekommen von einer Blog-Leserin mit einer Geschichte, die gut in diesen Blog passt und die ich mit Erlaubnis der Autorin ver&#246;ffentlichen darf. Die Geschichte geht so&#8230;</p>
<p>Als ich klein war geschah etwas h&#246;chst Seltsames. Meine Mama schickte mich in den Keller zum Kartoffeln holen. Das war schon h&#228;ufiger vorgekommen, doch an diesem einen Tag geschah, wie schon erw&#228;hnt, etwas h&#246;chst Seltsames -etwas monstr&#246;ses! Schon als ich die Kellert&#252;r &#246;ffnete &#252;berkam mich ein seltsam &#228;ngstliches Gef&#252;hl, ich knipste schnell das Licht an und wollte die Kartoffeln in die Sch&#252;ssel lesen, da h&#246;rte ich ein Ger&#228;usch. Es war ein kratziges, schnaufiges Scharren. Die Sch&#252;ssel fiel scheppernd zu Boden, als ich aufsprang und aus dem Keller rannte. Oben erz&#228;hlte ich meiner Mama von dem Ger&#228;usch. Sie redete beruhigend auf mich ein und kam mit mir in den Keller, doch dort war alles still. So ging es einige Tage. Immer wenn ich alleine war, vernahm ich das Ger&#228;usch, war jemand bei mir, dann war es still. Da nicht immer jemand mit mir in den Keller gehen konnte riet mir meine Mama fortan zu singen, denn der Gesang eines M&#228;dchens k&#246;nne unheimliche Ger&#228;usche vertreiben. Ich versuchte es, aber das Scharren blieb.<br />
Wenige Tage nachdem ich es zum ersten Mal geh&#246;rt hatte, entdeckte ich die Ursache des Scharrens. In der hintersten Kellerecke, dort wo kein Licht hinfiel, sa&#223; ein schauriges Monster mit langen wilden Haaren, drei rot glimmenden Augen, einem gierigen Mund voller kleiner, spitzer, blutgieriger Z&#228;hne. Seine Arme waren lang und behaart und an seinen schleimigen H&#228;nden waren acht Finger die sich gierig nach mir reckten.<br />
Ich war starr vor Schreck und als die Starre sich l&#246;ste, rannte ich panisch nach oben, um Mama zu holen. Wie zu erwarten war das Monster jedoch verschwunden, als meine Mama mit mir in den Keller ging.</p>
<p>So wurde es f&#252;r mich immer schrecklicher, die Kellertreppe hinab zu steigen, denn ich wusste genau worauf das Monster wartete. Auf einen g&#252;nstigen Moment, um mich zu packen, an sich zu rei&#223;en und seine widerlichen Z&#228;hne in mein Fleisch zu rammen. Woher ich das wusste, kann ich allerdings nicht sagen.<br />
Die Jahre vergingen. Ich zog in meine erste eigene Wohnung &#8211; und das Monster zog dort in den Keller. Auch bei meinen weiteren Umz&#252;gen, gelang es dem Unhold stets mir zu folgen und die dunkelste Ecke des Kellers f&#252;r sich zu beanspruchen.</p>
<p>Doch heute entschloss ich, mich dem Monster zu stellen.</p>
<p>Mit einer f&#252;r Monster h&#246;chst gef&#228;hrlichen Waffe bezwang ich die Kellertreppe. Ich h&#246;rte das kratzige, schnaubige Scharren, sah die schleimigen H&#228;nde, die sich nach mir ausstreckten. Todes mutig bewegte ich mich langsam, Schritt f&#252;r Schritt auf die Ecke zu. Dann stand ich dem Monster gegen&#252;ber, so nah wie nie zuvor. Ich konnte seinen nach Verwesung stinkenden Atem riechen. Schon wollte ich mich umdrehen und weg rennen, da sp&#252;rte ich in meiner Hand die Schwere und K&#252;hle der Monsterwaffe. Ich nahm allen Mut und alle Kraft zusammen hob sie an, richtete sie auf das Monster und dr&#252;ckte ab&#8230;..</p>
<p>Das Licht der Taschenlampe durchflutete die Ecke. Sofort begann das Monster vor meinen Augen zu verschwimmen und als sich meine Augen an das helle Licht gew&#246;hnt hatten, war das Monster vollst&#228;ndig verschwunden. Da sp&#252;rte ich das unwiderstehliche Bed&#252;rfnis zu lachen in mir. Erst leise dann immer lauter bahnte sich das Gel&#228;chter seinen weg aus meinem Innersten ins Freie und so wurden auch die letzten Reste und Spuren des Monsters aus unserem Keller vertrieben.</p>
<p>So habe ich nach vielen Jahren den Sieg &#252;ber mein pers&#246;nliches Monster davongetragen.</p>
<p>(Tamara Peter)</p>
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		<title>N&#228;gelkauen</title>
		<link>http://www.stefanhammel.de/blog/2010/09/13/1580/</link>
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		<pubDate>Mon, 13 Sep 2010 19:38:39 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Stefan Hammel</dc:creator>
				<category><![CDATA[Aggression]]></category>
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		<description><![CDATA[Heute hatte ich eine Frau zu Besuch, die sich Gedanken machte, weil ihr Pflegesohn stark an den N&#228;geln kaut. Er habe von sich aus gesagt, er wolle aufh&#246;ren, und sie hat ihm ein Mittel besorgt, dass bitter schmeckt und das er sich auf die N&#228;gel streichen kann, um sich das N&#228;gelkauen abzugew&#246;hnen.Aber bald hat der [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Heute hatte ich eine Frau zu Besuch, die sich Gedanken machte, weil ihr Pflegesohn stark an den N&#228;geln kaut. Er habe von sich aus gesagt, er wolle aufh&#246;ren, und sie hat ihm ein Mittel besorgt, dass bitter schmeckt und das er sich auf die N&#228;gel streichen kann, um sich das N&#228;gelkauen abzugew&#246;hnen.Aber bald hat der Junge sich an den Geschmack gew&#246;hnt, und er hat weiter gekaut. Sie wollte wissen, was man da machen k&#246;nne.</p>
<p>Sie erz&#228;hlte weiter, der Junge lasse sich eher Unrecht tun, als sich zu wehren, und ziehe sich bei jeder Kritik still in sich zur&#252;ck. Allerdings tue er oft das Gegenteil dessen, was man ihm auftrage. Vielleicht habe es damit zu tun, dass er in seiner Herkunftsfamilie viel beschimpft und schlecht gemacht wurde und oft verpr&#252;gelt wurde, wenn er sich gegen Vorw&#252;rfe oder eine unfreundliche Behandlung wehrte.</p>
<p>Ich habe zu der Frau gesagt, sie solle ihm in der Apotheke ein anderes Fabrikat eines solchen Mittels kaufen und ihm sagen, dass dieses &#8220;st&#228;rker&#8221; sei. Dann solle sie ihm sagen, sie habe mit einem Therapeuten gesprochen, und der habe ihr gesagt, beide H&#228;nde gleichzeitig abgew&#246;hnen sei zu viel auf einmal. Es sei kla gewesenr, dass das nicht klappen konnte. Eine Hand auf ewinmal sei genug.</p>
<p>Dann solle sie ihn ausw&#228;hlen lassen, an welcher Hand er als erstes aufh&#246;rt, N&#228;gel zu kauen. Sie solle mehrmals fragen, ob er sicher sei, dass dies die Hand ist,  bei der er zuerst aufh&#246;ren will und sich das versichern lassen. Danach soll sie ihm mitteilen, dass er niocht aufh&#246;ren d&#252;rfe, N&#228;gel zu kauen, sondern jedesmal, wenn er an den N&#228;geln dieser Hand kaue, m&#252;sse er stattdessen auf die andere Hand wechsel und dort kauen. Das sei wichtig. Auf keinen Fall d&#252;rfe er schon aufh&#246;ren, die N&#228;gel der anderen Hand zu kauen, sondern er m&#252;sse das Kauen dort noch um die Male vermehren, die er sonst an der anderen Hand gekaut habe.</p>
<p>Wenn er versehentlich doch einmal an die Hand gerate, deren N&#228;gel wachsen sollen,sollte er zum Ausgleich umso mehr die an den N&#228;geln der anderen Hand kauen.</p>
<p>Ich sagte zu der Frau: Wenn er die N&#228;gel der einen Hand auf diese Weise zum Wachsen bekommt, gehen wir anschlie&#223;end mit der anderen Hand fingerweise vor: In der ersten Woche kaut er nur noch an vier Fingern, und an den anderen umso mehr,  in der zweiten an drei Fingern, und so weiter.</p>
<p>Wenn der Erfolg an der &#8220;sch&#246;nen&#8221; Hand dagegen zu w&#252;nschen &#252;brig l&#228;sst, stellen wir fest, die Aufgabe sei noch zu gro&#223;, arbeiten daran, dass er zun&#228;chst einen Finger ungekaut lassen kann und arbeiten uns von hier aus fingerweise vor.</p>
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		<title>Der Tanz der Einh&#246;rner</title>
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		<pubDate>Wed, 14 Jul 2010 13:03:10 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Stefan Hammel</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Ambivalenz]]></category>
		<category><![CDATA[Angst und Zwang]]></category>
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		<category><![CDATA[Depression]]></category>
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		<description><![CDATA[Ich hatte ein sechsj&#228;hriges M&#228;dchen in Therapie, das &#246;fter angemerkt hat: &#8220;Ich will tot sein.&#8221; Das sagte sie, wenn sie entt&#228;uscht war, weil sie beim Spielen verloren hatte oder weil sie ein Geschenk nicht bekam. Aber man merkte auch, dass sie dabei wirklich sehr, sehr ungl&#252;cklich war. Todungl&#252;cklich, w&#252;rde das M&#228;dchen vielleicht sagen. Aufs Tot-sein [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Ich hatte ein sechsj&#228;hriges M&#228;dchen in Therapie, das &#246;fter angemerkt hat: &#8220;Ich will tot sein.&#8221; Das sagte sie, wenn sie entt&#228;uscht war, weil sie beim Spielen verloren hatte oder weil sie ein Geschenk nicht bekam. Aber man merkte auch, dass sie dabei wirklich sehr, sehr ungl&#252;cklich war. Todungl&#252;cklich, w&#252;rde das M&#228;dchen vielleicht sagen. Aufs Tot-sein befragt, hat sie erkl&#228;rt, dass es im Himmel Engel und Einh&#246;rner gibt, und die Einh&#246;rner sind Pferde, die in den Himmel gekommen sind, und &#252;berhaupt ist es im Himmel viel sch&#246;ner.</p>
<p>Ich habe das M&#228;dchen gefragt, ob ich ihm eine Geschichte erz&#228;hlen darf. Die Geschichte ging so:</p>
<p>In einem Land, das sich Kamark nennt, gibt es einen Wald, und darin lebt eine Herde Wildpferde. Und unter ihnen lebte ein junges Pferd, das hatte einen gro&#223;en Wunsch: &#8220;Ich m&#246;chte gerne die Einh&#246;rner sehen.&#8221; Die gro&#223;en Pferde haben zu dem kleinen Pferd gesagt: Das geht nicht. Die Einh&#246;rner leben im Himmel, und da k&#246;nnen wir jetzt noch nicht hin, erst sp&#228;ter. Das kleine Pferd hat sich damit aber nicht zufrieden gegeben, und als ihm keines von den gro&#223;en Pferden eine befriedigende L&#246;sung sagen konnte, wie es die Einh&#246;rner treffen k&#246;nnte, da ist es zur Eule gegangen. Die Eule wei&#223; n&#228;mlich fast alles. Das Pferd hat dreimal mit dem Huf an dem gro&#223;en Baum gescharrt, in dem die Eule hoch oben in einer H&#246;hle gewohnt hat. Das ist das Zeichen zwischen den Pferden und der Eule, wenn die Pferde etwas wissen wollen. Die Eule hat rausgeguckt und hat gefragt: &#8220;Was ist los, kleines Pferd?&#8221; &#8220;Ich will die Einh&#246;rner sehen&#8221;, hat das Pferd gesagt. &#8220;Die Einh&#246;rner wohnen im Himmel, da brauchst du ein Flugzeug&#8221;, hat die Eule gesagt. &#8220;Wie bekomme ich ein Flugzeug?&#8221; Das kleine Pferd lie&#223; nicht locker. Die Eule dachte eine Weile nach und sagte dann: &#8220;Ich habe eine Idee. Komm mit mir!&#8221; Die Eule flog los, und das kleine Pferd galoppierte hinter ihr her. &#8220;Das wollte ich sowieso schon lange mal machen!&#8221; rief die Eule. Sie flogen quer durch den Wald und aus dem Wald heraus und kamen schlie&#223;lich zu einem Zoo. Dort flog die Eule hinein. Sie flog zum Zoow&#228;rterhaus, guckte dort hinein und wartete, bis der W&#228;rter in eine andere Richtung schaute. Dann flog sie lautlos hinein, nahm in ihren Schnabel einen Schl&#252;ssel und flog genauso still und leise wieder heraus, hin&#252;ber zum Affenhaus. Sie &#246;ffnete den K&#228;fig und lie&#223; den Affen heraus. Setz dich auf das Pferd und halte dich an der M&#228;hne fest!&#8221;, rief sie. Der Affe tat, wie ihm gehei&#223;en wurde, die Eule flog voraus und das kleine Pferd galoppierte mit dem Affen hinterher. &#8220;Wie kann ich euch das nur danken?&#8221; fragte der Affe, als sie schlie&#223;lich in dem Wald, wo das kleine Pferd wohnte, halt machten. &#8220;Bau f&#252;r das kleine Pferd ein Flugzeug&#8221;, sagte die Eule, und bald machte sich der Affe ans Werk.<span id="more-1560"></span></p>
<p>Einige Tage baute und h&#228;mmerte der Affe auf der gro&#223;en Wiese in der Mitte des Waldes an etwas herum. Schlie&#223;lich hatte er etwas geschaffen, das sah aus wie ein Pferdewagen mit einem kleinen H&#228;uschen davor und Fl&#252;geln dahinter. In dem H&#228;uschen gab es drei gro&#223;e Hebel, an denen man ziehen konnte. Der Affe lie&#223; das kleine Pferd hinten einsteigen und stieg selbst vorne ein. Dann zog er den ersten Hebel: Der Motor begann zu tuckern. Er zog den zweiten Hebel: Das Flugzeug fuhr los und wurde immer schneller. Er zog den dritten Hebel, und das Flugzeug erhob sich in die Luft.</p>
<p>Immer kleiner wurden unter ihnen die B&#228;ume, w&#228;hrend sie h&#246;her und h&#246;her stiegen. Schlie&#223;lich n&#228;herten sie sich den Wolken. &#8220;Wir k&#246;nnen da durchfliegen, sie bestehen nur aus Nebel&#8221;, sagte der Affe, und so war es tats&#228;chlich. Bald waren sie &#252;ber den Wolken und sahen von oben, wie die Sonne auf sie schien. &#8220;Siehst du den Regenbogen?&#8221;, fragte der Affe. &#8220;Da fliegen wir durch. Der Himmel der Einh&#246;rner ist direkt hinter dem Regenbogen.&#8221; So machten sie es. Das kleine Pferd sah zum ersten Mal in seinem Leben einen Regenbogen von unten. Er leuchtete in allen Farben gleichzeitig, so etwas sch&#246;nes hatte es noch nie gesehen.</p>
<p>&#8220;Hinter dem Regenbogen sind die Wolken fest, wir k&#246;nnen darauf landen&#8221;, sagte der Affe. Und so machten sie es. Das kleine Pferd schaute sich verwundert um: &#8220;Wo sind denn die Einh&#246;rner?&#8221; &#8220;Die sind doch unsichtbar. Wir m&#252;ssen sie erst sichtbar pfeifen&#8221;, antwortete der Affe. Ich kenne den Zauberpfiff.&#8221; Und der Affe stie&#223; einen langen, verzwirbelt klingenden Pfiff aus. Sofort waren da viele Einh&#246;rner zu sehen.</p>
<p>Das kleine Pferd verbrachte nun viel Zeit damit, mit den Einh&#246;rnern zu erz&#228;hlen und zu spielen, und es stellte ihnen alle Fragen, die es ihnen schon immer hatte stellen wollen. Dann tanzten die Einh&#246;rner mit dem kleinen Pferd den himmlischen Gl&#252;ckstanz, und den tanzten sie bis zum Abend. Das Pferd war wirklich himmlisch gl&#252;cklich. Als der Abend kam, sagten die Einh&#246;rner: &#8220;Du musst jetzt wieder nach Hause, kleines Pferd!&#8221; &#8220;Warum denn? Hier ist es viel sch&#246;ner!&#8221; Das Pferd war entt&#228;uscht. &#8220;Du hast eine Aufgabe in deinem Wald zuhause&#8221;, sagten die Einh&#246;rner. &#8220;Wir m&#246;chten, dass du allen Pferden in deinem Wald den himmlischen Gl&#252;ckstanz beibringst, damit sie immer und immer wieder so gl&#252;cklich sein k&#246;nnen, wie im Himmel.&#8221; &#8220;Aber dann kann ich ja nicht hier sein&#8221;, protestierte das kleine Pferd. &#8220;Und hier ist es wirklich am sch&#246;nsten!&#8221;</p>
<p>&#8220;Wir m&#246;chten dir etwas mit auf den Weg geben&#8221;, sagten die Einh&#246;rner, und eines von ihnen &#252;berreichte ihm einen wundersch&#246;nen Edelstein. &#8220;Das hier ist ein Zauberstein. Wann immer du ihn bei dir tr&#228;gst und sogar, wenn du nur an ihn denkst, bringt er dir das Gl&#252;ck des Himmels. Du wirst himmlisch gl&#252;cklich, wenn du an ihn denkst. Was meinst du: K&#246;nnen wir dich so wieder auf die Erde gehen lassen?&#8221; Das kleine Pferd nickte.</p>
<p>Es ging zur&#252;ck zum Affen, der beim Flugzeug auf es wartete, und stieg ein. Der Affe bewegte den ersten Hebel, und der Motor begann zu brummen. Er zog den zweiten Hebel, und das Flugzeug rollte los. Er zog den dritten Hebel, und das Flugzeug erhob sich in die Luft. Die Einh&#246;rner unten, die vorher um das kleine Pferd herumgestanden waren, standen noch immer in einem Kreis. Sie alle hatten sich nun auf ihre Hinterhufe gestellt, und verabschiedeten sich auf diese Art von dem kleinen Pferd. Es sah wunderbar aus. Wieder flogen der Affe und das Pferd durch den Regenbogen, und danach tauchten sie durch den Wolkennebel nach unten hinab. Unter den Wolken konnten sie schon das Land sehen, und die Dinge tief dort unten wurden allm&#228;hlich immer gr&#246;&#223;er.</p>
<p>Bald erkannten sie die Kamark, also das Land, wo sie herkamen, und den Wald, wo das kleine Pferd wohnte, und bald auch die Lichtung, von der aus sie gestartet waren. Genau dort landete der Affe mit dem Pferd auch wieder. Die anderen Pferde begr&#252;&#223;ten sie st&#252;rmisch, und auch die Eule flog herbei, um das kleine Pferd und den Affen zu begr&#252;&#223;en. &#8220;Hast du wirklich die Einh&#246;rner gesehen?&#8221;, fragten die Pferde. Sie wollten alles &#252;ber den Himmel der Einh&#246;rner wissen. Und bald brachte das kleine Pferd den gro&#223;en Pferden den himmlischen Gl&#252;ckstanz bei, und alle wurden so gl&#252;cklich, als w&#228;ren sie im Himmel, obwohl sie doch auf der Erde waren. Sie tanzten diesen Tanz noch viele, viele Male.</p>
<p>Das kleine Pferd aber bewahrte den Zauberstein aus dem Himmel gut auf, und wann immer es wollte, dachte es an den Stein, und der Stein breitete in ihm eine wunderbare Freude aus, eine himmlische Freude, wie die Freude der Einh&#246;rner, wenn sie im Himmel tanzen.</p>
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		<title>Geschichten mit Langzeitwirkung</title>
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		<pubDate>Sun, 14 Feb 2010 19:57:29 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Stefan Hammel</dc:creator>
				<category><![CDATA[Angst und Zwang]]></category>
		<category><![CDATA[Erwachsen werden]]></category>
		<category><![CDATA[Glauben]]></category>
		<category><![CDATA[Identität]]></category>
		<category><![CDATA[Liebe]]></category>
		<category><![CDATA[Suggestive Geschichten]]></category>

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			<content:encoded><![CDATA[<p>Als wir Kinder waren, hatten meine Schwester und ich eine bestimmte Gewohnheit. Wenn wir bei Gro&#223;elternbesuchen morgens erwachten, meistens zwischen f&#252;nf und sechs Uhr, stiegen wir zu meinem Gro&#223;vater ins Bett und dr&#252;ckten mit dem Finger auf einen Knopf seines Schlafanzugs. Dort befand sich n&#228;mlich der Schalter f&#252;r die Geschichten. Einige dieser Geschichten hatte er geh&#246;rt und einige gelesen, manche waren selbst erlebt und andere frisch erfunden. Eine Erz&#228;hlung gab es, die ich wieder und wieder von ihm h&#246;ren wollte. Das war die Geschichte vom verlorenen und wieder gefundenen Schaf aus dem f&#252;nfzehnten Kapitel des Lukasevangeliums. Mein Gro&#223;vater mochte sich fragen, warum er mir diese Geschichte so oft erz&#228;hlen musste, aber er tat es immer wieder f&#252;r mich. Ich brauchte diese Geschichte. Es war meine Geschichte. Zwei wichtige Passagen gab es in seiner Erz&#228;hlung, die jedes Mal wiederkehrten: Wie der Hirte nach langem Suchen und Rufen die erste Antwort seines Schafs erhielt, und sich das Rufen des Hirten und das „M&#228;h“ des Schafes abwechselten, bis er sein Schaf gefunden hatte –  und wie er es fand: Das Schaf war tief in einen Dornbusch verstrickt. Es konnte nicht mehr vorw&#228;rts und nicht mehr r&#252;ckw&#228;rts gehen. Vorsichtig befreite der Hirte das Tier&#8230;<br />
Diese Geschichte hat mich durch die Kindheit begleitet. Als ich erwachsen war, hat sie mir als erste deutlich gemacht, dass Geschichten eine therapeutische Kraft haben, in einem Ma&#223;, das wir vermutlich noch oft untersch&#228;tzen. Diese Geschichte ist zweitausend Jahre alt. Sie wurde aufgeschrieben, weil sie ihren Zuh&#246;rern geholfen hat und beeinflusst noch heute das Denken und Erleben von Menschen.</p>
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